Mhlophe, Gcina; Tessmer, Silke: Wie die Geschichten auf die Welt kamen

WiedieGeschichtenaufdieWeltkamenZu einer Zeit, in der die Welt noch jung ist, lebt Mazanendaba zufrieden mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf. Nur eins fehlt ihnen in ihrem Leben: Es gibt noch keine Geschichten, die die Leute sich erzählen könnten. Mazanendaba macht sich auf den Weg, um von den Tieren Geschichten kennenzulernen. Diese kennen selbst keine, aber sie erfährt von ihnen, dass alle Geschichten im Königreich des Geistervolkes unter dem Meer gesammelt werden. Auf dem Rücken eines Delphins taucht Mazanendaba hinab in das Geisterreich und bittet den König und die Königin um Geschichten. Sie erhält eine sehr große Muschel, die unzählige Geschichten enthält, die man hören kann, wenn man die Muschel an das Ohr hält. Als Mazanendaba wieder auftaucht, erwarten sie bereits ihre Familie, alle Menschen aus ihrem und den umliegenden Dörfern und viele Tiere, die alle gekommen sind, um Geschichten zu hören. Jeden Abend hören sie eine neue Geschichte und erzählen sie weiter, so dass die Geschichten um die ganze Welt gehen.

Die 31-seitige Geschichte von Mazanendaba erinnert an ein Märchen aus alten Zeiten, sozusagen der ersten Geschichte, die man sich hätte erzählen können. Auf der Suche nach Geschichten, die sie ihrer Familie erzählen kann, erlebt Mazanendaba selbst ein unglaubliches Abenteuer, das eine Erzählung wert ist. So kann man die Muschel, die ihr Geschichten ins Ohr flüstert, auch sinnbildlich dafür verstehen, dass Mazanendaba auf Grundlage des von ihr Erlebten nun eigene Geschichten erzählt. Schließlich regen gute Geschichten unsere Fantasie an und verleiten uns dazu, sie weiterzuspinnen oder alternative Handlungsverläufe zu erfinden. Und sie geben uns den Mut, uns Dinge vorzustellen, die wir für unmöglich halten, über die wir aber gerne nachdenken, um unser Leben zu bereichern und über die Grenzen des Vorstellbaren hinweg der Realität hin und wieder zu entfliehen. Darum ist es auch so wichtig, mit Kindern Geschichten zu lesen, zu erzählen und zu erfinden. Sie regen die Fantasie an und ermöglichen uns, die Realität umzudenken und zu neuen Ideen zu kommen. Ohne diese Fähigkeit würde die Welt im übertragenen Sinne stillstehen und wir würden aufhören, uns weiterzuentwickeln. Nur mit genügend Vorstellungskraft ist es denkbar, die herrschenden Lebensumstände zum Besseren zu verändern; ganz nach dem Motto:

Diejenigen, die immer nur das Mögliche fordern, erreichen gar nichts. Diejenigen, die aber das Unmögliche fordern, erreichen wenigstens das Mögliche.“ (Michail Bakunin).

Hierin sehe ich auch den pädagogischen Wert dieses Buches, womit es glücklicherweise nicht alleine steht. Aber eben dieses Buch bietet die Anregung, sich mit dem Thema Geschichte(n) auseinanderzusetzen und eigene zu erfinden. Eine gute Grundlage für eine Unterrichtseinheit und zum Philosophieren mit Kindern.

Die bildliche Darstellung ist liebevoll und farbenfroh umgesetzt und zeigt uns in den Gesichtern der Charaktere, wie glücklich es machen kann, einer guten Geschichte zu lauschen.

Blick ins Buch:

WiedieGeschichtenaufdieWeltkamen3

Sprache: Deutsch

Altersempfehlung: ab 3 Jahren

Themen: Fantasie, Mut, Gemeinschaft, Realitätsflucht

Verlag: Hammer

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