Tod und Trauerarbeit

Das Thema Tod wird in unserer Gesellschaft und insbesondere im Umgang mit Kindern häufig tabuisiert oder nicht ausreichend besprochen, um einen gesunden emotionalen Verarbeitungsprozess anstoßen zu können. Dabei ist der Tod doch etwas, das uns alle etwas angeht und das uns täglich begegnen kann, ob in den Medien oder dem näheren Umfeld. Es ist diese Allgegenwart und Unvorhersehbarkeit, die es unausweichlich macht, sich mit dem Thema Tod auseinanderzusetzen. Es ist nicht fair, Kindern die Möglichkeit vorzuenthalten oder es zu erschweren, den Tod als Teil des Lebens zu begreifen und eigene Todeskonzepte zu entwerfen. Indem wir mit Kindern in den Dialog über Todeserfahrungen und Trauer treten, schaffen wir einen Raum, in dem offen über Ängste und Vorstellungen gesprochen werden kann, ohne dass gerade jemand gestorben sein muss. Sicher ist es nicht möglich, jemanden auf den Tod einer geliebten oder bekannten Person in dem Sinne vorzubereiten, dass der Verlust weniger schmerzhaft wird. Sicher ist jedoch, dass die Verarbeitung des Verlustes dadurch erschwert wird, wenn es keinen Raum gibt, in dem die trauernde Person über ihre Gefühle offen sprechen kann.

Bilderbücher, die Tod, Trauer und Abschied thematisieren, bieten einen solchen Raum und geben Anlass zum Gespräch. Hier können Kinder Fragen stellen, sich über ihre Vorstellungen austauschen und Ängste loswerden.

Entwicklungsbedingt gibt es Unterschiede zwischen dem Umgang mit Trauer bei Kindern verschiedener Altersstufen. Unter drei Jahren begreifen Kinder noch nicht, was es mit dem Tod auf sich hat oder wie sie ihn sich vorstellen sollen. Sie kennen jedoch das Gefühl der Trauer und haben Angst vor dem Verlassenwerden. Zwischen drei und fünf Jahren zeigen Kinder Interesse am Tod und wollen mehr darüber erfahren. Sie begreifen jedoch noch nicht, dass der Tod endgültig und unumkehrbar ist. Kinder zwischen fünf und neun Jahren zeigen ein manchmal sehr sachliches Interesse am Tod und verstehen, dass verstorbene Lebewesen nicht mehr ins Leben zurückkehren. Kinder in diesem Alter haben dennoch Angst vor Zusammenhängen, die sie nicht verstehen, wenn man nicht mit ihnen darüber spricht. Zwischen zehn und vierzehn Jahren verstehen Kinder, dass der Tod abschließend und unausweichlich ist, da die geliebte Person endgültig tot ist.

Abhängig von der Sozialisierung entwickeln wir unterschiedliche Vorstellungen vom Tod. Viele Menschen sind stark von einer Religion geprägt, die bestimmte Todeskonzepte vorgibt, meistens unter Annahme eines Lebens nach dem Tod. Woran man glaubt ist letztendlich jedem Menschen selbst überlassen, jedoch ist für die meisten die Vorstellung eines seligen Lebens nach dem Tod ein tröstlicher Gedanke und wird an die Kinder weitergegeben. Häufig soll diese Fantasie es leichter machen, den Verlust zu verkraften, da es der verstorbenen Person vermeintlich besser geht und sie auf die Lebenden aufpasst o.ä. Gefährlich werden diese Lehren an dem Punkt, an dem von einer negativen Gegenseite die Rede ist, beispielsweise einer Art Hölle, die zur Bestrafung eingesetzt wird und durch Angsteinflößen unerwünschten Verhaltensweisen vorbeugen soll.

Es gibt viele Möglichkeiten für einen Menschen da zu sein, der einen Verlust erlitten hat. Im Bezug auf Kinder sollte man sich zuallererst darüber im Klaren sein, wie die eigene Vorstellung vom Tod aussieht, um auf Fragen reagieren zu können. Außerdem ist man wohl kaum geeignet für eine Trauerbegleitung oder als Ansprechpartner*in, wenn man selbst große Angst vor dem Tod hat oder mit Verlusten und negativen Gefühlen nicht umgehen kann. Ist man selbst nicht stabil, bildet man keine verlässliche Stütze für andere. Trauernde brauchen Mitgefühl, kein Mitleid. Durch aktives Zuhören schaffen wir die vertrauensvolle Atmosphäre, die ein trauernder Mensch braucht, um sich nicht allein gelassen zu fühlen.

Mehr zu dem sehr umfangreichen Thema Trauerarbeit findet ihr hier.

Bilderbücher zu den Themen Tod, Trauer und Abschied

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