Erlbruch, Wolf: Ente, Tod und Tulpe

ente, tod und tulpe2Die Ente bemerkt einen heimlichen Verfolger. Es ist der Tod, der sie schon ihr ganzes Leben lang begleitet – nur für den Fall. Nachdem der erste Schreck überwunden ist, stellt sich der Tod als ein freundlicher und angenehmer Zeitgenosse heraus. Die beiden verbringen die nächsten Tage miteinander, gehen im Teich der Ente gründeln, klettern auf einen Baum, um den Teich von oben zu betrachten und liegen einfach nur im Gras herum und reden wenig. Die Ente denkt über ihr Leben nach und was wohl aus ihrem Teich wird, wenn sie nicht mehr da ist. Was passiert eigentlich, wenn man tot ist? Irgendwann wird der Ente plötzlich kalt und der Tod trägt den leblosen Körper zu seiner letzten Reise. Liebevoll tut er es und ist sogar fast ein wenig betrübt. „Aber so war das Leben.“

Wolf Erlbruchs personifizierter Tod ist ein liebenswerter Charakter und alles andere als angsteinflößend. Er ist es nicht, der das Leben beendet, sondern das Leben selbst sorgt für den Tod. Darum ist er immer schon da gewesen als aufmerksamer und ruhiger Begleiter. Nachdem die Ente herausfindet, dass der Tod sie begleitet, und feststellt, dass er ihr nichts Böses will, akzeptiert sie seine Gesellschaft und teilt ihre letzte Zeit mit ihm. Die einzige Sorge, die ihr bleibt, ist der einsame und entenlose Teich, wenn sie stirbt. Der Tod kann sie beruhigen: „Wenn du tot bist, ist auch der Teich weg – zumindest für dich“. Dadurch verliert die Ente ihre Angst und findet ein friedliches Ende.

Trotz des schweren Themas dieses Buches kann man auf unbestimmte Weise erleichtert sein, wenn man es ganz gelesen hat. Dabei helfen sicherlich die einfachen und freundlichen Illustrationen im ungewöhnlichen und charakteristischen Wolf Erlbruch-Stil. Warum sollte man Angst vor etwas haben, das genauso zum Leben gehört wie die Geburt? Der Tod lässt keine Sorgen zurück, also wieso davor fürchten? Was danach kommt, wissen wir nicht, aber es kommt wie es kommt und das Einfachste ist, es zu akzeptieren. Unsere Sorgen sollten wir auf unser Leben richten, da es das Einzige ist, das wir selbst bestimmen können.

Für Kinder ist der Tod ein wichtiges Thema, da sie ihm immer wieder begegnen und Antworten auf ihre Fragen fordern. Dieses Buch gibt auf 32 Seiten keine Antworten – Es gibt Denkanstöße, die die Angst vor dem Tod nehmen können und dazu ermutigen, Fragen zu stellen und eigene Antworten zu finden. Denn wie man über den Tod denkt ist ebenso individuell, wie man über das Leben denkt. Da gibt es kein Richtig und Falsch.

Blick ins Buch:

Ente, Tod und Tulpe

Sprache: Deutsch

Altersempfehlung: ab 3 Jahren

Themen: Tod, Abschied, Todeskonzepte

Verlag: Antje Kunstmann

Veröffentlichung: Februar 2007

Vielen Dank dem Antje Kunstmann Verlag für das Rezensionsexemplar dieses nachdenklichen Buches!

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