Büchner, SaBine; Munsch, Robert: Die Prinzessin in der Tüte

DiePrinzessininderTüte0Lissy ist eine Prinzessin und hat viele teure Sachen, genau wie ihr zukünftiger Mann Prinz Ronald. Bis eines Tages ein Drache alles niederbrennt und Prinz Ronald entführt. Alles, was Lissy bleibt, ist eine Papiertüte. Sie zieht die Tüte an und macht sich auf der Suche nach dem Drachen und ihrem Prinzen. Schließlich findet sie das Zuhause des Drachen und bringt ihn durch eine List dazu, herauszukommen und sich komplett zu verausgaben. So kann Lissy hineingehen und Prinz Ronald befreien. Als dieser seine Zukünftige in eine alte Papiertüte gekleidet sieht, weist er sie ab, bis sie wieder wie eine Prinzessin aussähe. Aber Lissy wird nicht nur mit einem Drachen, sondern auch mit einem arroganten Prinzen fertig; Sie macht ihm deutlich, was sie von seinem Verhalten hält und geht ihrer Wege.

Die verwöhnte Prinzessin Lilly entpuppt sich gleich zu Beginn der Geschichte als listige Überlebenskünstlerin, die sich von einem Drachen nicht einschüchtern lässt. Sie zieht angesichts des undankbaren und beleidigenden Verhaltens des Prinzen, den sie einmal heiraten sollte, die einzig vernünftige Konsequenz und lebt ihr Leben ohne ihn. Wer braucht schon einen Prinzen, der eine starke und mutige Prinzessin nicht zu schätzen weiß?

Die Geschichte der Prinzessin in der Tüte von Robert Munsch ist nicht neu, aber immer noch aktuell, und wurde von SaBine Büchner auf 28 Seiten zeitgemäß neu illustriert.

Blick ins Buch:

DiePrinzessininderTüte

Sprache: Deutsch

Altersempfehlung: Ab 3 Jahren

Themen: Mut, Geschlechterrollen, Märchen

Verlag: Ravensburger

Vielen Dank an Ravensburger für das Rezensionsexemplar!

Hoogstad, Alice: Das kunterbunte Monsterbuch

COVER.inddDurch eine Stadt ohne Farben geht ein Kind mit bunter Kreide und malt sich kunterbunte Monsterfreunde. Diese schließen sich ihr an und gemeinsam malen sie und noch andere Kinder die ganze Stadt bunt an. Doch die Erwachsenen beobachten sie argwöhnisch und schließlich müssen die Kinder alles wieder sauber machen. Der Regen hilft ihnen und alles ist wieder schwarz-weiß. Doch in einer Ecke der Stadt sieht man die Kinder wieder malen…

Das kunterbunte Monsterbuch“ erzählt auf 24 Seiten ganz ohne Worte viele farblose und bunte Geschichten. In den Straßen der Stadt sieht man unterschiedliche Menschen, die unterschiedlichen Beschäftigungen nachgehen und die farbigen Veränderungen in ihrer Stadt anscheinend nicht gutheißen. Die Kinder zeigen deutlich: Die Stadt gehört auch uns! Und sie lassen sich durch die Verbote der Erwachsenen nicht maßregeln, sondern eignen sich die Stadt von Neuem an, nachdem sie vertrieben wurden. Schließlich schaden sie ja niemandem mit ihrer bunten Kreide und der Regen wäscht alle Farbe wieder weg.

Es gibt viel zu entdecken in Alice Hoogstads vielseitigen Illustrationen, die den Lebensraum von Stadtkindern darstellen, den sie sich immer wieder aneignen müssen, um sich von den Erwachsenen nicht ihr farbloses Bild der Stadt aufzwingen zu lassen.

Um diese Geschichten zu erzählen, braucht Alice Hoogstad keine Worte, weshalb „Das kunterbunte Monsterbuch“ für alle Kinder geeignet ist, egal, welche Sprachen sie sprechen.

Blick ins Buch:

DaskunterbunteMonsterbuch

Sprache: ohne

Altersempfehlung: Ab 2 Jahren

Themen: Fantasie, Farben, Verbote, Kreativität

Verlag: aracari Verlag

Schmitz, Ka; Schmitz-Weicht, Cai: Maxime will ein Geschwister

MaximeMaxime wünscht sich von seinen Müttern Louise und Melanie ein Geschwister oder auch mehrere. Melanie lässt sich von einer Hebamme Samenzellen von einem Menschen einsetzen, den sie nicht kennt, und eine ihrer Eizellen wird befruchtet. Nach einiger Zeit kommt Maximes Geschwister Nicola zur Welt und die Freude ist groß.

Die Geschichte von Maxime, seinen Müttern und dem neuen Kind in der Familie ist wunderbar geeignet zur Aufklärung über die Entstehung eines Kindes und die Vielfalt an Familienkonzepten. Kinder lernen mit diesem 20-seitigen Heft, dass Familien nicht immer aus einer Frau und einem Mann mit Kindern bestehen und dass Kinder auch ohne Geschlechtsverkehr entstehen können.

Die freundlichen Illustrationen in schwarz, weiß und lila erklären auf einfache Weise, wie ein Kind entstehen kann.

Blick ins Buch:

Maxime2

Sprache: Deutsch

Altersempfehlung: Ab 2 Jahren

Themen: Aufklärung, Homosexualität, Familie

Verlag: Atelier 9 ¾

Schmitz, Ka; Schmitz-Weicht, Cai: Wie Lotta geboren wurde

LottaLottas Papa ist glücklich und wünscht sich ein Baby. Dazu bittet er einen Freund um Samenzellen, um eine Eizelle in seinem Uterus zu befruchten. Alle freuen sich sehr, als Lotta auf die Welt kommt.

Dieses kleine 20-seitige Aufklärungsheft ist eine tolle Ergänzung zu den herkömmlichen Aufklärungsbüchern für Kinder. „Wie Lotta geboren wurde“ beschreibt die Entstehung eines Kindes jenseits der heterosexuellen Ehe. Lottas Papa Tobias hat einen Uterus und lässt sich von einem guten Freund Samenzellen einsetzen. Etwa 9 Monate später bringt Tobias Lotta zur Welt und Freund*innen und Verwandte freuen sich sehr über das neue Familienmitglied. Kinder lernen durch Tobias‘ und Lottas Geschichte, dass manchmal auch Papas Kinder bekommen können und dass sie dafür nicht einmal Sex mit jemandem haben müssen. Kinder entstehen und finden ihren Weg in eine Familie auf vielfältige Weise, also wieso nicht auch im Bilderbuch?

Die einfachen Illustrationen im Comicstil zeigen auf kindgerechte und verständliche Art, wie ein Kind entstehen kann.

Blick ins Buch:

Lotta2

Sprache: Deutsch

Altersempfehlung: Ab 2 Jahren

Themen: Aufklärung, Transgeschlechtlichkeit, Familie

Verlag: Atelier 9 ¾

Fupz Aakeson, Kim; Eriksson, Eva: Erik und das Opa-Gespenst

erikErik weint viel, weil sein Opa verstorben ist und er vermisst ihn sehr. „Opa ist jetzt im Himmel“, sagt seine Mama. „Opa wird begraben und später wird er dann zu Erde.“, sagt sein Papa. Erik kann sich nicht vorstellen, dass Opa ein Engel oder Erde geworden ist, und außerdem stimmt das nicht; Opa sitzt nachts auf Eriks Kommode. Ob er nun ein Gespenst ist? Jedenfalls kann er durch Wände gehen und mit Erik einen nächtlichen Spaziergang zu seinem alten Haus unternehmen. Irgendetwas scheint ihm zu fehlen, was die beiden nun gemeinsam finden wollen. Sie erinnern sich an die Zeit, die sie zusammen verbracht haben und versprechen sich, aneinander zu denken. Nachdem sie sich Lebwohl gesagt haben, kann Erik endlich wieder gut schlafen und am nächsten Morgen sogar in den Kindergarten gehen.

Auf 28 Seiten erzählt Kim Fupz Aakeson die ergreifende Geschichte eines Kind, das sich nicht mehr von seinem Opa verabschieden konnte, bevor dieser verstarb, und deswegen nach dessen Tod nach einem Weg sucht, den Verlust zu verarbeiten. Es findet Trost in der Erinnerung an die gemeinsame Zeit, die Opa und Enkel miteinander verbrachten, und kehrt am Ende in den gewohnten Alltag zurück. Weder Mutter noch Vater können ihrem Kind mit ihrer eigenen Vorstellung vom Tod Trost spenden. Daher entwickelt Erik sein eigenes Todeskonzept, nach dem sein Opa als rastloses Gespenst zurückkehrt, um nach dem zu suchen, was ihm zu seiner ewigen Ruhe noch fehlt. Da das Gespenst nur zu Erik kommt, ist es der noch ausstehende Abschied von seinem Enkel, der das Opa-Gespenst zu ihm führt.

Jeder Mensch geht auf unterschiedliche Weise mit einem Verlust um und ebenso unterschiedlich ist der Raum und die Zeit, den jeder Mensch für die individuelle Trauerbewältigung braucht. Dieses Bilderbuch kann einen solchen Raum bieten, da es Anlass zum Gespräch über Trauer und Erfahrungen mit dem Tod gibt. Kinder lernen mithilfe solcher Bücher, dass die Zeit, die man miteinander verbringt, das wertvollste ist, das man teilen kann.

Eva Erikssons charakteristische Illustrationen zeigen stimmungsvolle Bilder, die liebevoll an ein schweres Thema heranführen und dadurch keine Angst machen, sondern zum Nachdenken anregen.

Blick ins Buch:

erik2

Sprache: Deutsch

Altersempfehlung: ab 4 Jahren

Themen: Tod, Trauer, Abschied, Gefühle, Todeskonzepte

Verlag: Gerstenberg