Nagara, Innosanto: A is for Activist

AisforactivistEs gibt sicher keinen einprägsameren Weg, das Alphabet zu lernen, als über Alliterationen und Reime, zusammen mit außergewöhnlichen Illustrationen und Themen. Hier nur ein paar Beispiele: „A is for Activist. Advocate. Abolitionist. Ally. Actively Answering A call to Action. Are you An Activist?“ oder „F is for Feminist. For Fairness in our pay. For Freedom to Flourish and choose our own way.“ und „Indigenous and Immigrant. Together we stand tall. Our histories are relevant. An Injury to one Is an Injury to all.“ oder „Wondrous World. Wondrous We. We cannot be free. Unless we delight in di-ver-si-ty!“ und „Z is for Zapatista of course.“

Innosanto Nagara hat ein ganz besonderes Bilderbuch erschaffen, das auf 29 Seiten mit wortstarken Versen sowohl politische Inhalte und Haltungen, als auch die Buchstaben des Alphabets vermittelt. Den Sinn der wohlklingenden Verse zu verstehen, ist als junger Mensch sicher nicht einfach. Dennoch kann dieses kleine Buch dazu beitragen, dass Kinder eine Verbindung zu diesen Inhalten aufbauen und ein Gefühl dazu entwickeln. Mit älteren Kinder kann man bestimmt gut ins Gespräch kommen über die Dinge, die alphabetisch angesprochen werden und auf so eindrucksvolle Weise dargestellt sind. Selbst wenn die schwierigen Worte ein Kind nicht ansprechen, so ist doch alleine schon die bildliche Darstellung es wert, dass man dieses Buch mit Kindern teilt. „A is for Activist“ stellt die Vielfalt der Welt annähernd dar, oder zumindest deren Wert.

Blick ins Buch:

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Sprache: Englisch (auch in Spanisch und Schwedisch erhältlich)

Altersempfehlung: ab 2 Jahren

Themen: Alphabet, Politik, Aktivismus, Menschenrechte…

Verlag: Seven Stories Press

Special: (Video) Innosanto Nagara liest „A is for Activist“ seinem Kind vor

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Ojeda, Ana Paula; Palomino, Juan: Der Feuerdieb – Ladrón del fuego

FeuerdiebDie Geschichte des Feuerdiebs beginnt, als alles andere auch begann. Die Dinge hatten noch keine Formen und alles war finster. Der alte weise Tlacuache, in der Gestalt eines Opossums, gibt Antwort auf die Fragen derer, die einmal Tiere oder Menschen sein würden. Hoch in den Bergen sucht er für sie nach dem Feuer, das er der Herrin des Lichts abluchsen muss. Sie hütet das Licht und den Mais und von beidem stiehlt der Tlacuache etwas und schenkt es der Welt. So schafft er die Zeit und macht durch die Gabe des Feuers die Menschen zu Menschen. „Zuerst musste die Ordnung zerstört und das Trennende überwunden werden.“

Die 26-seitige Geschichte des Feuerdiebes Tlacuache ist ein alter Mythos aus Mexiko. Sie beschreibt auf wundersame Weise die Entstehung der Welt und des Lebens und welche Grenzen dazu überwunden werden mussten.

Die farbenprächtigen Bilder führen den*die Leser*in in eine alte Welt hinein und erzählen eine ganz eigene Geschichte, in der es viel zu staunen gibt. Alleine hierfür lohnt sich dieses schöne Bilderbuch sehr.

Auch die Erzählung in zwei Sprachen, darunter die Originalsprache des Mythos‘, machen das Buch zu einer unausgesprochenen Einladung in eine Welt mit vielen Facetten.

Blick ins Buch:

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Sprache: Deutsch/Spanisch

Altersempfehlung: Ab 3 Jahren

Themen: Märchen, Mehrsprachigkeit

Verlag: Baobab Books

Toledo, Eymard: Onkel Flores. Eine ziemlich wahre Geschichte aus Brasilien

OnkelFloresEdinhos Onkel Flores ist Schneider von Beruf und näht mit seinem Neffen zusammen für alle Bewohner*innen des kleinen brasilianischen Dorfes Pinbauê die schönsten Kleider. Edinho möchte auch einmal Schneider werden. Sein Onkel erzählt ihm von Früher, als die Frauen die Wäsche noch im Fluss wuschen, während die Männer darin Fische fingen. Doch dann kam die Fabrik und das Dorf wurde zu einer Stadt. Der Fluss wurde trüb und Onkel Edinho nähte nur noch graue Arbeitskleidung für die Arbeiter*innen der Fabrik – bis diese ihre Arbeitskleidung von billigeren Näher*innen aus dem Ausland bestellte. Onkel Flores war arbeitslos, bis Edinho die fabelhafte Idee kam, doch aus den alten Stoffresten bunte Vorhänge zu nähen und sie in der Stadt zu verkaufen. Von da an kauften alle ihre Vorhänge bei Onkel Edinho und wirkten durch die Farben und die guten Gespräche wieder viel fröhlicher.

Eymard Toledos „ziemlich wahre Geschichte aus Brasilien“ liest sich auch genau so. Sie beschreibt auf 27 Seiten das realistische Schicksal eines ganzen Dorfes, das durch den Einzug einer modernen kapitalistischen Fabrik komplett auf den Kopf gestellt und bestimmt wird. Die Menschen können nicht mehr ihren gewohnten Tätigkeiten nachgehen und alle wirken betrübt, so wie der ehemals belebte Fluss, in dem man nicht mal mehr Fischen kann. Ihr Leben wird so grau wie die Arbeitskleidung, die Onkel Flores für sie nähen muss. Zum Glück kommt ein Kind auf die bewegende Idee, doch wieder Farbe in das Leben des ehemaligen Dorfes zu bringen. Edinho verschafft dadurch nicht nur seinem Onkel Arbeit und eine Aufgabe, sondern er bereichert auch das Leben aller anderen Menschen, die zu seinem Onkel kommen, indem er der durch den Kapitalismus verursachten Vereinsamung entgegenwirkt.

Die Geschichte von Onkel Flores besticht besonders durch ihre bildliche Darstellung. Die Illustrationen sind komplett aus Einzelteilen unterschiedlichen Materials zu einer Collage zusammengebastelt, was den Bildern eine besonders realistische Wirkung gibt. Sie bringen Leser*innen zum Staunen und machen das Buch dadurch besonders wertvoll.

Blick ins Buch:

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Sprache: Deutsch

Altersempfehlung: ab 3 Jahren

Themen: Armut, Arbeitslosigkeit, Modernisierung, Familie, Selbstverwirklichung, Kapitalismus, Freiraum

Verlag: Baobab Books

Schmitz-Weicht, Cai; Schmitz, Ka: Traum-Berufe

Traum-BerufeLisa muss als Hausaufgabe einen Aufsatz darüber schreiben, was sie später für einen Beruf haben will, aber ihr will überhaupt nichts einfallen. Ihr kleiner Bruder Philip und seine Freundin Adila helfen Lisa mit ihren Ideen.    Sie könnte zum Beispiel Sängerin werden, Philip ein Background-Tänzer und Adila Lichttechnikerin. Oder doch lieber Architektin? In Lisas Häusern gäbe es nur Treppenhäuser zum Rollen und Adila wäre Kranfahrerin. Philip möchte am Liebsten Käferforscher sein und Lisa schreibt nebenher noch Kinderbücher. Am Ende hat sie jedenfalls genügend Ideen für ihren Aufsatz und Philip und Adila viel Spaß beim Berufe spielen.

Traum-Berufe“ zeigt auf 22 Seiten, dass der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind, wenn Kinder über ihre berufliche Zukunft nachdenken. Die Geschichte von Lisa, Philip und Adila erzählt auf zwei Sprachen, dass Kinder von Allem träumen dürfen – unabhängig von ihren körperlichen Voraussetzungen, Geschlecht oder Hautfarbe.

Die Illustrationen stellen diese Vielfalt bildlich dar und bieten damit Kindern viele Möglichkeiten zur Identifikation.

Blick ins Buch:

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Sprache: Deutsch-Portugiesisch/Italienisch, Polnisch, Russisch, Türkisch

Altersempfehlung: ab 3 Jahren

Themen: Berufe, Fantasie, Mehrsprachigkeit, Behinderungen

Verlag: Viel&Mehr