Waddell, Martin; Oxenbury, Helen: Farmer Duck

Farmer DuckAuf einem Bauernhof lebt eine Ente mit einem faulen, alten Farmer. Der Farmer liegt den ganzen Tag im Bett und isst Schokolade, während die Ente die ganze Arbeit macht und ihn bedient. Mit der Zeit wird sie immer erschöpfter und ausgebrannter, bis die anderen Tiere, die Freund*innen der Ente, entscheiden zu handeln. Sie schleichen sich nachts in das Schlafzimmer des Farmers, schmeißen ihn aus dem Bett und verjagen ihn vom Bauernhof. Die Ente freut sich sehr und gemeinsam mit der Kuh, den Schafen und den Hühnern leitet sie ihren eigenen Bauernhof. Korrupte autoritär-kommunistische Schweine gibt es übrigens keine.

Martin Waddells 32-seitige Geschichte über die arme Ente, die sich von ihrem faulen Farmer ausnutzen lässt, regt wirklich zum Nachdenken an. Sie zeigt anschaulich, wie schädigende Beziehungen funktionieren können. Der Farmer nimmt es als selbstverständlich hin, dass die Ente den Bauernhof am Laufen hält und sieht nicht, dass sie daran zerbricht. Er nimmt sie nicht als eigenständiges Wesen mit Gefühlen und Bedürfnissen wahr und respektiert sie nicht. Die Aufgaben, die die Ente ohne sich zu beschweren übernimmt, bringen sie an ihre Grenzen. Sie beschwert sich nicht und fühlt sich anscheinend dazu gezwungen, zu tun, was der Farmer von ihr verlangt. Sie sieht sich nicht in der Lage, den Farmer auf seine Verantwortung für den Bauernhof aufmerksam zu machen und ihm zu verstehen zu geben, dass sie nicht die ganze Arbeit alleine machen kann. Die Ente kann aus ihrer Beziehung zum Farmer nicht ausbrechen und macht sich dadurch selbst kaputt. Ihre Freund*innen, die anderen Tiere auf dem Bauernhof, sind das unterstützende Umfeld, das die Ente nun braucht. Wir erfahren nicht, ob sie der Ente raten, etwas an ihrem Leben zu ändern und ob sie ihr für diesen Schritt Hilfe anbieten. Die Tiere entscheiden sich zu handeln und vertreiben den Farmer kurzerhand von seinem eigenen Hof. Sie haben erkannt, dass der Hof den Farmer nicht braucht, wenn ohnehin die Ente die ganze Arbeit macht und sie entscheiden sich außerdem dazu, den Hof mit der Ente gemeinsam zu führen. Es bleibt nur zu vermuten, dass sie ihr nicht schon früher ihre Unterstützung angeboten haben, weil sie erkannten, dass die ganze Beziehung zum Farmer ungesund ist und es keine Kompromisse geben kann. Sie hätten das bestehende System aufrecht erhalten, aber der einzige Ausweg führt über die Abschaffung dieses schädigenden Systems. Die Ente selbst hätte sich nicht befreit und hatte vermutlich auch nicht mehr die Kräfte oder die Hoffnung, eine Änderung der Verhältnisse in Betracht zu ziehen, geschweige denn voranzutreiben. Nach ihrer Befreiung lebt die Ente wieder auf und gewinnt die Freude an der Arbeit zurück. Dank ihrer Erfahrung kann sie die anderen Tiere anleiten und der Bauernhof läuft so gut wie nie.

Farmer Duck“ bietet die Möglichkeit, mit Kindern ins Gespräch zu kommen über sowohl schädigende als auch gleichberechtigte Beziehungen.

Helen Oxenburys Illustrationen fangen die Stimmung der Geschichte auf erstaunlich emotionale Weise ein. Die blassen, trüben Farben spiegeln das Elend der Ente wider und die von Bild zu Bild steigende Erschöpfung ist ihr deutlich anzusehen. Die verzweifelte Ente, weinend und ganz am Ende ihrer Kräfte, ist ein rührender Anblick, der auch ihre Freund*innen zum Handeln treibt. Es folgt eine befriedigende Reihe von Bildern, in denen der faule Farmer von den Tieren vertrieben wird. Und auch der Freudensprung der Ente, als sie von ihrer Befreiung erfährt, ist eine Wohltat. Die Farben werden freundlicher, als die Tiere den Bauernhof selbst gestalten. Die Darstellung des faulen Farmers kann kritisch betrachtet werden, da er als sehr dicker Mensch dargestellt ist, was dem Klischee fauler Menschen entspricht.

Blick ins Buch:

Farmer Duck2

Sprachen: Englisch + Polnisch (erhältlich in 31 Sprachvarianten); meine Übersetzung ins Deutsche findet ihr hier als pdf

Altersempfehlung: ab 2 Jahren

Themen: (schädigende) Beziehung, Freundschaft, Hilfe, Arbeitsteilung, Grenzen, Gefühle, Mehrsprachigkeit

Verlag: Mantra Lingua

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Benjamin, Floella; Chamberlain, Margaret: My Two Grannies

My two Grannies

Alvina hat zwei Omas, die sie sehr liebt. Oma Vero ist in Trinidad aufgewachsen und erzählt Alvina von ihrer Kindheit, genau wie Oma Rose, die in England aufgewachsen ist. Als Alvinas Eltern entscheiden, anlässlich ihres Hochzeitstags zu zweit zu verreisen, stellt sich die Frage, welche der Omas auf Alvina aufpassen darf. Die beiden Omas streiten sich, weil beide nur zu gerne diese Aufgabe übernehmen wollen. Alvina schlägt vor, dass die beiden Omas einfach beide in Alvinas Zuhause auf sie aufpassen können. So wird es gemacht. Oma Vero und Oma Rose finden trotzdem Gründe zum Streiten, weil beide ihre Vorschläge zur Tagesgestaltung durchsetzen wollen. Alvina entscheidet sich für keine Seite und hat letztendlich eine Idee: An einem Tag machen die Drei alles so, wie Oma Vero es vorschlägt und am nächsten Tag, wie Oma Rose es vorschlägt und dann immer abwechselnd. Dank Alvinas Idee verbringen sie und ihre Omas eine tolle Woche. Die beiden Omas lernen viel voneinander und zeigen großes Interesse an den kulturellen Besonderheiten aus dem Leben der jeweils anderen. Alvina hat viel Spaß und fühlt sich großartig. Und wieso? Weil ihre Omas sie so sehr lieben.

Floella Benjamins 26-seitige Geschichte über die beiden Omas, die ihrer Enkelin all ihre Liebe schenken wollen, ist ein Glücksfund aus einem Second Hand Shop in Edinburgh. Das Bild auf dem Cover hatte ich zunächst so interpretiert, dass es sich um die Geschichte von zwei Omas handelt, die eine gleichgeschlechtliche Liebesbeziehung führen. Das hätte mich sehr gefreut, weil ich so ein Buch noch nicht kenne, doch auch die echte Geschichte der zwei Omas macht große Freude beim Lesen. Alvinas Fähigkeiten zur Konfliktlösung ermöglicht es den beiden, sich besser kennenzulernen und auch anzufreunden. Dabei lernen sie viel über eine andere Kultur und haben großen Spaß dabei – so wie Lernen eben sein sollte.

Die Geschichte der zwei Omas stellt uns ein selbstbewusstes Kind vor, das sich besser als die Erwachsenen auf Konfliktbewältigung versteht und ein starkes Vorbild für andere Kinder sein kann.

Die bunten und freundlichen Illustrationen von Margaret Chamberlain spiegeln die liebevolle Grundstimmung dieses Buches sehr schön wider.

Ein Blick ins Buch:

My two Grannies2

(Die Qualität der Bilder ist mangels Scanner nicht so gut…)

Sprache: Englisch (meine deutsche Übersetzung findet ihr hier als pdf)

Altersempfehlung: Ab 3 Jahren

Themen: Familie, Kultur, Konfliktbewältigung

Verlag: Frances Lincoln Children‘s Books